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  #1  
Alt 05.08.2012, 15:23
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Standard Buchrezension "Alles über Herrenschuhe" von Helge Sternke

Ich bin über Umwege, im Zuge einer Bitte um Stellungnahme, in den Besitz des Buches "Alles über Herrenschuhe" gekommen und habe deshalb begonnen darin zu lesen.
Da "News about shoes.eu" in erster Linie
ein Fachforum für unsern Berufsnachwuchs sein soll, müssen wir zumindest die elementarsten Fehler, unser Handwerk betreffend, des Buches korrigieren.

Vorwort

Helge Sternke, Alles über Herrenschuhe, Vorwort Seite 12
„WER braucht schon ein Buch über hochwertige Herrenschuhe? Und noch dazu ein so umfangreiches?“

WER braucht schon eine Rezension über ein Herrenschuhbuch? Und noch dazu eine so umfangreiche?
- Jeder, der sachlich informiert sein möchte.



Helge Sternke, Alles über Herrenschuhe, Vorwort Seite 12
„Selbst in Firmenprospekten und Katalogen, aber auch in Zeitschriften, Fachorganen und bislang vorhandenen Büchern zum Thema [Schuhpflege] wird häufig fehlinformiert.“
Da hat er Recht, der Herr Sternke.
In seinem Buch sind einschließlich Wiederholungs- und Folgefehlern bisher über 300 gezählt worden.
Dagegen sieht zum Beispiel Vass, bei dem man „nur“ 35 Fehler zählen kann, aber so richtig blass aus.

Helge Sternke, Alles über Herrenschuhe, Vorwort Seite 12
„[Das Buch ist] ein allgemein verständliches Schuhbuch, Sachbuch, Ratgeber und Nachschlagewerk [OHNE Register!!!?] in einem, …“

Man hätte in dieser Aufzählung noch „Arbeitsbuch“ erwähnen können.
Der Leser muss viel arbeiten, bis er alle Fehler korrigiert hat.
Viel arbeiten muss man auch bis man alles verstanden hat, was Herr Sternke eigentlich sagen will.
Und Herr Sternke wird noch viel Arbeit damit haben, uns zu erklären, was er eigentlich sagen möchte.

Ein Arbeitsbuch eben.


Helge Sternke, Alles über Herrenschuhe, Vorwort Seite 13
„Das vorliegende Buch soll helfen, dies [die Kommunikation für alle Beteiligten stets transparent, offen und sachlich] zu vermitteln.“
„[…] was wiederum nur auf Basis fundierten und sachlich richtigen Wissens möglich ist.“
Stimmt. "Auf Basis fundierten und sachlich richtigen Wissens"
Nur ist das vorliegende Buch alles andere als sachlich. Fundiert höchstens an unfundierter Sachlichkeit.
Dies wird gezeigt werden.
Bisher sind knapp 40 Beiträge vorbereitet.
Jeden Tag wird ein Beitrag gepostet werden.
Während dieser Zeit werden die vorhandenen Konzepte genutzt, um noch einmal 30 weitere Beiträge nachreichen zu können.

Lesen und wundern.

Posh
Somit sehe ich mich verpflichtet - zu korrigieren.
Helge Sternke, Alles über Herrenschuhe, Seite 295
"
Man kann sogar noch etwas weiter gehen und behaupten, dass der Konfektionsschuh nach dem Einlaufen ein besser modelliertes Fußbett bietet als ein handgefertigter Schuh. Das mag befremdlich klingen, ist aber mit der Art und Weise zu erklären, wie die Brandsohle zur Aufnahme der Einstechnaht vorbereitet wird. Dabei ergibt sich ein Hohlraum zwischen Brand- und Laufsohle, in dem Kork oder Filz gefüllt wird. Später in der Einlaufphase formt sich der Fuß sein individuelles Fußbett durch Druck und Wärme in diese Ausballmasse hinein. Je dicker diese Zwischenschicht ausfällt, umso besser kann sich das Fußbett hinein modellieren.
Bei einer Serienfertigungsbrandsohle mit Gemband ist der für diese Schicht erforderliche Hohlraum etwa 5mm hoch, bei der manuell bearbeiteten Brandsohle mit Einstechdamm eines handeingestochenen Maßschuhs hingegen so gut wie nicht vorhanden.
Das Gesagte lässt sich einfach und schnell nachprüfen: Streicht man jeweils bei einem Maß– und einem Konfektionsschuh sanft mit den Fingerspitzen innen im Schuh über die Brandsohle, ist der Unterschied deutlich zu spüren. Der Konfektionsschuh bietet eine spürbare Berg– und Tallandschaft entsprechend der Fußsohle seines Trägers, wohingegen der Maßschuh nahezu bretteben ist."


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  #2  
Alt 05.08.2012, 15:26
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Standard AW: Buchrezension "Alles über Herrenschuhe" von Helge Sternke

Da die meisten Menschen ( etwa 94%) eine Fehlstellung des Fußes haben, bedeutet eine dicke Korkschicht, das sich die Fehlstellung des Fußes, die tieferliegenden Fußsohlenpartien als Hyperpressionspunkte in die instabile Brandsohle/ Korkausballung drücken, dadurch ist der Abrieb an diesen Stellen höher und die Fehlstellung potenziert sich nach geraumer Zeit.

Somit handelt es sich bei dieser Form des Abdruckes nicht um ein Fußbett-

sondern lediglich um einen Fußabdruck des nicht achsengerade stehenden Fußes.

Anhand des Beispieles: Knickfuß/ transverso planus möchte ich diesen Irrglauben endgültig ausräumen.

Deutlich ist zu erkennen, dass sich der tierferliegende Großzehenballen vehement in die viel zu dicke Korkausballung drückt und deshalb die Laufsohle einem wesentlich höherem Abrieb ausgesetzt ist.


Nur durch eine orthopädische Versorgung, entweder am Maßleisten durch eine modellierte Sohlenbahn oder durch eine nachträglich eingebaute Schuhzurichtung kann eine Fußfehlstellung korrigiert werden.

Somit ist ein Schuh mit einer dünnen Korkausballung und einer formstabilen Brandsohle für einen Fuß ohne orthopädische Versorgung immernoch besser als einer, der eine dicke Korkausballung hat.
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  #3  
Alt 05.08.2012, 15:30
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Zitat Seite 296 aus Alles über Herrenschuhe/ Helge Sternke


Wenn man ein Lineal so über die ( handeingestochene) Brandsohle legt, dass es auf beiden Seiten auf dem Einstechdamm aufliegt, ist erkennbar, dass fast kein Hohlraum unterhalb des Lineals verbleibt. Woher sollte er auch kommen, da der Einstechdamm selbst ein Teil der ursprünglichen Oberfläche ist? Dort wo sich jetzt das Lineal befindet liegt später die Laufsohle auf. Für eine Korkausballung ist zwischen Brandsohle und Laufsohle folglich kein Platz.


Was schreiben Sie da, Herr Sternke?

Sie vergaßen, dass durch die vorgestochenen Löcher des Einstechdammes 2 Pechdrähte durchgeführt wurden, die mit etwa 9 bis 12 Fäden pro Pechdraht den Einstechdamm um ca. 1,5 bis 2mm anheben.

Somit ist Ihre Behauptung falsch.

Selbst bei einem sehr flach eingestochenem Schuh fügt ein Schuhmacher mindestens 2mm Kork ein.
Diese Menge reicht aus um eine gewisse Einformung der Fußsohlenform in die Brandsohle zu erlauben, jedoch ohne dass sich die Fehlstellung durchdrückt.
( siehe auch erstes posting)
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  #4  
Alt 05.08.2012, 15:33
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Helge Sternke, Alles über Herrenschuhe, Seite 296, 297

Warum ein Maßschuh nicht so lange hält

…… "Das hängt mit der Einstechnaht zusammen, die, manuell ausgeführt, viel - und vor allen gleichmäßig viel - Kraft beim Strammziehen der Fäden nach jedem einzelnen Einstich erfordert.
Die Maschine macht das absolut gleichmäßig und setzt lediglich eine perfekte manuelle Zuführung des Schuhes voraus, wogegen beim Nähen von Hand ein ständig wiederkehrendes, kräftezehrendes und knochenaufreibendes Ziehen der Fäden erforderlich ist. Man stelle sich nur die Ausdauer vor, die erforderlich ist, um mehrere hundert Mal am Tag die teils über 1 Zentimeter dicken Lederschichten zu durchstechen und Fäden straff zu ziehen, das geht an Rücken und Händen zwangsläufig nicht spurlos vorbei.
Zwar schützen die Handwerker ihre Hände mit Lederringen, aber auf Dauer rötet sich die Haut über den Knöcheln, reißt ein und entzündet sich durch den ständigen Kontakt mit Pech und Kleister, ruiniert sich diese über kurz oder lang und zieht dann die Fäden vielleicht nicht mehr so gleichmäßig stramm, wie er sollte.
Ähnliches gilt für das schon mehrfach angesprochene Pechen des Garns."



Wen oder was beschreiben Sie da?

Wahr ist, dass es sich beim Einstechen um eine schwere körperliche Arbeit handelt.

Aber in erster Linie ist es Technik.
Denn gleich einer Parade beim Reiten wird der nach innen gehende Pechdraht durch Drehbewegungen der rechten Hand 2mal um das Heft
( Holzgriff) des Flachortes ( eine der Ahlen) gewickelt um dann mittels eines kräftigen Anwickelns der Hand gepaart mit dem gleichzeitigen Abdrücken der Handaussenkante gegen die Brandsohle/ Leisten festgezogen zu werden.
Denn nur der nach innen weisende Pechdraht muss bei jedem Stich superfest gezogen werden, denn er zieht den Rahmen an den Schaft
Der andere nach außen weisende Pechdraht wird nur leicht festgezogen. Die das leichte Anziehen dieses nach aussenweisenden Pechdrahtes ausübende linke Hand, insbesondere die Handaussenkante, wird durch ein Handleder ( lederne Fingerringe benützt der Schuhmacher beim Doppeln !) geschützt.

Auch die Bemerkung, dass wir, durch teils über 1 Zentimeter dickes Leder kräftezehrend und knochenaufreibend stechen müssen ist falsch.
Erstens stechen wir die Löcher der Einstechbahn vor, 2tens ist der Flachort an der Spitze dreieckig geschärft, also messerscharf, somit sticht der Schuhmacher im Höchstfall durch das Oberleder/ Hinterkappenleder / Futterleder und den Rahmen, des weiteren handelt es sich lediglich um ca.120 bis 180 Stiche pro Paar!

So machen Sie sich bitte keine Sorgen, Herr Sternke, Hornhaut und Hand/Arm/ Rückenmuskulatur sind die einzigen Zeichen des arbeitenden Schuhmachers, zumal selbst der fleißigste Schuhmacher höchstens 2,5 Paar Schuhe pro Woche einsticht, denn an den anderen Tagen macht er die anderen Arbeiten, wie Handdoppeln/ Absatzaufbau etc.

Übrigens wenn der Schuhmacher den Pechdraht einpecht, zieht er die losen Fäden durch den Pechklumpen und zum Verreiben des Pechs in den gedrehten Pechdraht benützt er seinen „Abwetzhengst“, ein Stück Leder, somit kommt es auch hier nicht zu den von Ihnen beschriebenen Haut/Knochenschäden.


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  #5  
Alt 05.08.2012, 15:36
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Standard AW: Buchrezension "Alles über Herrenschuhe" von Helge Sternke

Helge Sternke, Alles über Herrenschuhe, Seite 296

"Die Maschine macht das [Einstechen] absolut gleichmäßig und setzt lediglich eine perfekte manuelle Zuführung des Schuhes voraus,...."


Die richtig ausgeführte, maschinelle Einstecharbeit ist für die Haltbarkeit des Rahmenbodens von allergrößtem Einfluss.
Diese Arbeit muss deshalb ganz besonders gewissenhaft ausgeführt werden. Der Schuh ist beim Einstechen so zu halten, dass die Nadel im Rißwinkel die Lippe durchsticht.
Ein krampfhaftes Festhalten und Führen des Schuhes ist zu vermeiden.
Die Einstechmaschine näht mit einem Faden, bildet also einen Kettenstich, deshalb müssen auch Nadel und Faden in einem richtigen Verhältnis stehen und die Fadenspannung richtig eingestellt worden sein.
Ist die Fadenspannung zu fest eingestellt , reißt die Naht bereits beim Rahmenhämmern , ist sie zu locker eingestellt
können die Stiche der Einstechnaht blöken ( zu locker sein) , dann tritt beim Laufen ein Schürfen ein, welches den Faden so stark angreift, dass dieser durchscheuert..
Somit gibt es gerade beim Maschineneinstechen viele Faktoren, die das Ergebnis negativ beeinflussen können, wesentlich mehr als beim Einstechen per Hand des geübten, die Technik beherrschenden Schuhmachers.


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  #6  
Alt 05.08.2012, 15:46
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Standard Posting von Herrn Krivak

Zitat aus Alles über Herrenschuhe/ Helge Sternke Seite 298

“Warum ein Maßschuh nicht so lange hält“

Kollegin Posh hat bereits sehr anschaulich aufgezeigt, weshalb die Behauptungen von Helge Sternke auf Seite 298 nicht haltbar sind.

Aber nicht nur das, vielmehr hat Herr Sternke den Sachverhalt komplett verdreht.

Es müsste korrekterweise heißen:

„Warum ein industriell gefertigter Schuh nicht so lange hält wie ein handeingestochener Maßschuh.“

Herr Sternke hat zwar aus seiner nicht nachvollziehbaren Sichtweise beschrieben, wie „mühsam“ das Handeinstechen angeblich sein soll (ich persönlich finde Spargelstechen viel anstrengender), hat dabei aber den größten und gravierendsten Nachteil industriell gefertigter Schuhe, die in der so genannten „Goodyear“-Methode eingestochen werden, völlig außer Acht gelassen.

Den Einstechdamm.

Dieser Nachteil bei industriell gefertigtem Schuhwerk gilt auch für im Handwerk mit Gem-/Lippenband eingestochenen Schuhe.

Bei handeingestochenen Maßschuhen wird der Einstechdamm aus der Brandsohle herausgearbeitet (der Fachmann sagt „rangieren“ dazu).

Die einmalige Besonderheit des handeingestochenen Maßschuhs liegt darin, dass die rangierte Brandsohle, der Schaft und der Rahmen durch die Einstechnaht – ohne jeden Klebstoff – dauerhaft haltbar miteinander verbunden werden.

Bei Schuhen der „Goodyear“-Klasse wird der Einstechdamm – Gem- oder Lippenband genannt - aber nicht aus der Brandsohle herausgearbeitet, sondern aufgeklebt.

Die besonders dauerhaft haltbare Verbindung, die einen handeingestochenen Maßschuh auszeichnet, basiert bei einem Goodyear-Schuh also auf einer Klebeverbindung.

Dass diese Klebeverbindung zwischen der Brandsohle und dem Gem- (Lippen-) band nicht von ewig sein muss, kann jeder Schuhmacher bestätigen.

In der täglichen Praxis kommt es immer wieder vor, dass bei „Goodyear-weltet“-Schuhen sich der aufgeklebte Einstechdamm (das Gem-/Lippenband) von der Brandsohle löst.

Die tägliche Praxis zeigt auch, dass die Haltbarkeit des „Fadens“, mit dem bei der „Goodyear“-Methode eingestochen wird, nicht immer von ewiger Haltbarkeit gesegnet ist.
Und das muss aber nicht an einer minderen Qualität des verwendeten „Zwirns“ liegen.
Beim „Goodyear-weltet“ wird u.a. natürlich auch durch das Gem- /Lippenband gestochen. Ob maschinell oder von Hand ist zweitrangig.
Charakteristisch für das Gem-/Lippenband ist nun aber, dass „um das Einstechloch herum“ eine „scharfe Kante“ entsteht, wenn es durchstochen wird.

In diesem „Loch“, im Gem-/Lippenband, liegt der Einstechfaden und kann sich mit der Zeit an dieser scharfen Kante aufscheuern.

Dies kommt bei „Goodyear-weltet“ Schuhen besonders gerne im Ballenbereich vor. Dort ist ein Schuh den größten Biegekräften – und der Einstechfaden den größten Scheuerkräften - ausgesetzt.

In beiden Fällen, durch das Lösen der Klebeverbindung zwischen Brandsohle und Gem-/Lippenband sowie das Durchscheuern des Einstechfadens, führen diese nachteiligen „Eigenschaften“ von „Goodyear-weltet“-Schuhe zu aufwendigen und kostspieligen Reparaturen, wie sie bei handeingestochenen Maßschuhen nicht vorkommen.

Für mich ist erkennbar, dass Herr Sternke die Vorteile eines handeingestochenen Maßschuhs nicht erkannt hat und zudem sich über alle Nachteile eines „Goodyear“-genähten Schuhs vollkommen ausschweigt.
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  #7  
Alt 05.08.2012, 15:52
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Helge Sternke, Alles über Herrenschuhe, Glossar Seite 546

"Querkappe:
Äußere Vorderkappe eines Schaftes. Da der Begriff Vorderkappe nicht zwischen der im Schaft zwischen Futter und Oberleder liegenden Verstärkungskappe und der auf dem Schaft aufliegenden Verzierungskappe trennt, wird der gerade Verzierungskappe (z.B. bei allen Halfbrogues) auch Querkappe genannt.
"



Natürlich unterscheidet der Schuhmacher/ Schäftemacher zwischen Vorderkappe/ Hinterkappe und dem Vorderkappenbesatz und /oder eines Hinterkappenbesatzes eines Schaftmodells

Die Vorderkappe/Querkappe (toe-puff) soll die Zehen des Fußes schützen und die Schuhspitze stabilisieren.
Die Hinterkappe (counter / stiffener) die Ferse achsengerade halten, den Fuß im Schuh stabilisieren und beim Gehen führend halten.

Sie sind somit Einbauteile zwischen dem Schaft und bilden mit den Überstemmen eine den Schuh rundherum formgebende und formhaltende Versteifung.

Der Vorderkappenbesatz (toe cap / wing toe cap / long wing toe cap) und der Hinterkappenbesatz (back quarter) sind Schaftteile, die nur dekorative Bedeutung in der Schaftgestaltung haben.
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  #8  
Alt 05.08.2012, 16:06
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Helge Sternke, Alles über Herrenschuhe, Glossar Seite 534

Ausballung:
"Elastisches Material wie Kork oder Filz, das den Hohlraum zwischen Brandsohle und Zwischensohle von rahmen- und zwiegenähten Schuhen ausfüllt.


Bei geklebten und angespritzten Sohlen entsteht durch den Zwickeinschlag ebenfalls ein schmaler Hohlraum, der
mit Latex, Leder, Spezialpappe oder Schaumstoff ausgeballt wird.:argh:



Durch Wärme und Gewicht des Trägers verformt sich die Ausballmasse und bildet mit der darüber liegenden Brandsohle ein individuelles Fußbett (siehe 1tes posting). Die Ausballung isoliert zudem gegen Hitze und Kälte des Bodens und dämpft den Auftritt."

Durch das Einstechen hat sich innerhalb der Einstechnaht auf der Brandsohle eine Vertiefung gebildet, die je nach Dicke des Oberledermateriales und des Rahmens mehr oder weniger hoch ausfällt.

Das beste Ausballmaterial ist Teerfilz, der den Boden gleichzeitig wasserdicht macht, dauerelastisch ist und nicht brechen kann


Denn sonst wäre auch die Zwischen- und oder Laufsohle eines Schuhes immer mit Fußschweiß durchnässt und/ oder das Regenwasser etc. würde auch die Brandsohle mit Feuchtigkeit durchtränken.

Alle Sohlenschichten eines Schuhes wären immer nass.

Früher benütze man deshalb entweder nur Pech oder mit Pech eingeklebtes Fahlleder oder Teerfilz zur Isolierung.

Heute benützt man eine möglichst dünngehaltene ( siehe Begündung im Textverlauf) Schicht Presskork mit hochelastischer Kunstharzbindung oder Kork/ Latexbindungen.
Da poröse Materialien keine hygroskopische Eigenschaft besitzen, sondern das Wasser in ihren Hohlräumen binden.
Auf keinen Fall darf die Ausballung höher sein, als zum Ausgleich der Vertiefung unbedingt nötig ist.( Scherkräfte in runden Boden)

Ist die Korkschicht zu dick---- bricht sie schnell , zerbröckelt und ist nicht mehr wasserdicht.

Somit ist eine dicke Korkausballung auch aus diesem Grund schlecht. und nur aus Ermangelung der Beschneidfähigkeit der industriell hergestellten Brandsohlenlippe nicht dünn/flach genug herzustellen.

Drücken sich die Fußsohlenrundungen nun tief in (in gewisser Weise durch) die Brandsohle und in die dicke Korkschicht wird die Laufsohlenfläche rund, dadurch lösen sich die Klebeverbindungen und es entwickeln sich Scherkräfte zwischen den Sohlenschichten beim Gehen, die sowohl die Einstechnaht als auch die Doppelnaht zum Platzen bringen können.


Somit ist die Hauptaufgabe einer Ausballung, aus biegefähigem Materialien wie Kork oder Teerfilz, den Hohlraum zwischen Brandsohle und Zwischensohle/ Laufsohle von rahmen- und zwiegenähten Schuhen auszufüllen , das Einfallen der Laufsohle zu verhindern beim Gehen und um die Wasserdurchlassfähigkeit/ die hygroskopische Eigenschaft der Lederschichten im Schuh untereinander zu unterbinden.


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  #9  
Alt 05.08.2012, 16:08
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"Schuheklopfen"


Es versteht sich von selbst, dass, wenn Schuhe möglichst lange ihr ursprüngliches Aussehen behalten sollen, sie u.a. nur ihrem bestimmtheitsgemäßen Gebrauch zugeführt werden sollen.

Helge Sternke, Alles über Herrenschuhe, Seite 470
Wenn Sie die Schuhe mit eingelegtem Spannleisten putzen, achten Sie darauf, sie nicht auf harten Boden fallen zu lassen, weil sonst das gespannte Leder irreparabel beschädigt werden kann.“


So pflegt man Schuhe:

Helge Sternke, Alles über Herrenschuhe, Seite 425
"Um sicherzugehen, dass der Spanner satt im Schuh sitzt und nicht irgendwo am feuchten Futterleder festhängt, kann der aufgeleistete Schuh seitlich mit dem Rahmen auf eine feste Unterlage geschlagen werden.“

Diesen Geheimtipp sollte man noch ergänzen:

Um eine symmetrische Deformierung des Sohlenschnittes zu gewährleisten, sollten die Schuhe von beiden Seiten auf eine feste Unterlage geschlagen werden.


Und noch ein Tipp:

Helge Sternke, Alles über Herrenschuhe, Seite 528
„Auch wenn die Schuhe im Karton lagern, sollten sie in den zumeist mitgelieferten Säckchen aus Baumwolle, Leinen oder Filz verstaut werden. So wird eine Beschädigung des Oberleders durch Reibung an der Kartonwand oder durch Kontakt mit der Sohlenkante des daneben liegenden Schuhs zuverlässig verhindert.“

Aber klopfen geht doch, oder?



Und nocheinmal:

Helge Sternke, Alles über Herrenschuhe, Seite 404
„Um sicherzugehen, dass der Strecker im Vorschuh auch satt einliegt, können Sie die Schuhinnenseite mit dem Rahmen kurz auf eine harte Fläche aufklopfen.“

Auch hier gilt die bereits oben gemachte Ergänzung, wenn man beim Klopfen mit seinen Schuhen um eine symmetrische Deformierung bemüht ist.
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