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  #1  
Alt 10.09.2010, 12:51
Tom Tom ist offline
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Standard Anilin - eine giftige Färbemethode

Wenn es darum geht, zu beurteilen, welche Methoden zur Färbung von Leder besonders geeignet sein sollen, fällt oft der Begriff anilingefärbt.

Nun ist bekannt, dass Anilin -- wie auch seine Ausgangsstoffe Nitrobenzol und Benzen -- krebserregend sind. Ferner gilt Aninlin als Blutgift, das Hämoglobin oxidiert und damit den Transport von Sauerstoff im Blut verhindert. Insofern ist es wichtig, diesen Stoff nicht in den Körper gelangen zu lassen. Leider wird Anilin auch durch die Haut aufgenommen.

Nach DIN-Norm 68 871 soll Anilin deshalb nicht mehr zu Färbung von Leder genutzt werden.

Soweit der Schnee von gestern. Mir stellt sich dann die Frage, was meinen wir eigentlich wenn wir die Begriffe durchgefärbt und anilingefärbt benutzen? Die Begriffe scheinen keine angewandte Färbetechnik mehr zu beschreiben, als vielmehr nur noch von deckengefärbtem Leder und sonstigen Plastikschichten auf minderwertigem Leder abzugrenzen.

Welche Färbemethoden sind gegenwärtig im Einsatz?
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  #2  
Alt 05.10.2010, 08:44
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Posh befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Standard Anilinfarbstoffe


Die Anilinfarbstoffe, welche heute fast ausschliesslich zur Anwendung kommen wurden bereits 1834 in Steinkohlenteer entdeckt.

1856 kamen sie erstmalig in den Handel und begeisterten durch ihre aussergewöhnliche Färbungsfähigkeit und ihre Farbbrillanz.

Die heute in der Lederindustrie verwendeten Farbstoffe werden nur nach ihrer Farbintensität während des Färbvorganges und nicht nach chemischen Kriterien unterschieden.

Saure Farbstoffe
eignen sich zum Färben von chrom- und alaun-gegerbtem sowie pflanzlich als auch pflanzlich synthetisch gegerbten Lederfellen/Häuten.
Chemisch gesehen sind die sauren Farbstoffe Salze der Farbsulfosäuren, die mit den basischen Hautsubstanzen des Leders reagieren.
Sie ziehen tief in das Fasergefüge ein und sind lichtecht.

Substantive, d.h. direkt ziehende Farbstoffe
eignen sich besonders zum Färben von Chrom-gegerbten Lederfellen (Oberledern), da sie direkt, ohne Säurezusätze, lichtecht färben. Sie dringen nicht in das Innere des Gewebes ein, sondern werden direkt in der Lederoberfläche gebunden. Die substantiven Farbstoffe sind auch Salze der Farbsulfosäuren, jedoch mit einem höheren Molekulargewicht als die sauren Farbstoffe.
Um pflanzlich und pflanzlich synthetisch gegerbte Lederfelle/Häute mit substantiven Farbstoffen zu färben ist hingegen ein Säurezusatz erforderlich.

Entwicklungsfarbstoffe
sind wasserlösliche anionische Azofarbstoffe sowie deren Metallkomplexe, sie werden zum Färben von chromgegerbten und kombiniert gegerbten Lederfellen/Häuten verwendet. Die Farbwirkung wird erzeugt, indem man eine Farbkomponente auf der Hautfaser mit einer zweiten Farbkomponente in Verbindung bringt (Diazotierung)
Entwicklungsfarbstoffe sind licht- und wasserfest.

Basische Farbstoffe sind Salze organischer Farbbasen und können nur zum Färben von pflanzlich gegerbten Lederhäuten/Fellen verwendet werden, da sie keine Affinität (gegenseitige Anziehungskraft) zu rein chrom- und alaungaren Ledern haben. Basische Farbstoffe sind sehr Farbintensiv aber nicht besonders Lichtecht.

Schwefelfarbstoffe
sind im Wasser unlöslich, sie lösen sich nur in einer Brühe mit starkem Überschuß an Schwefelnatrium und eignen sich nur für Sämischleder und glutardialdehydgare Leder (vom Pentan abgeleiteter Dialdehyd; ölige Flüssigkeit, die u. a. als Gerbstoff verwendet wird ). Nach dem Farbengang ist eine Oxidation nötig, die eine auf der Hautfaser unlösliche Farbverbindung entstehen lässt.

Zum Färben werden alle Farbstoffe, ausser Schwefelfarben, in heissem, nicht kochendem Wasser gelöst.
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  #3  
Alt 06.10.2010, 10:43
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Standard letzte Vorbereitungen des gegerbten Leders vor dem Färben


Die Umwandlung der in der Wasserwerkstatt vorbereiteten Hautblößen (noch nicht gegerbte Tierhäute) in Leder geschieht durch pflanzliche, mineralische oder Fettgerbemittel oder aus Kombinationen dieser Gerbverfahren.

Es genügt zu wissen, daß dabei die Hautfaser die wirksamen Gerbstoffe aus der Gerbmittelösung aufnimmt und einlagert und dabei eine unlösliche Verbindung eingeht.
Die Eiweißfasern der ungegerbten Haut (Blöße) werden während des Gerbprozesses in Lederfasern umgewandelt.


Pflanzlich gegerbte Leder werden nach dem eigentlichen Gerbungsprozess gut ausgewachen um ungebundene Gerbstoffreste, vor allem aus der zu färbenden Narbenschicht, zu lösen.
Bereits vollständig aufgetrocknete Häute werden in einer wässrigen, Borax oder Soda- Lösung aufgewalkt und in der ( Gerb-)Farbe sehr dunkel ausfallende, pflanzlich gegerbte Felle werden entweder in einer aufhellenden Sumach-Brühe oder synthetischen Gerbstoffen, die auch eine aufhellende Wirkung haben, nachbehandelt.
Leider kommen hier auch Bleichmittel wie Oxalsäure zum Einsatz, die das Lederfasergefüge schädigen.

Chromgegerbte Felle/Häute müssen um ein gleichmässiges Farbergebnis zu erzielen nachdem sie einige Tage auf dem "Bock" ruhten gut entsäuert/ neutralisiert werden.
Das Neutralisieren hat den Zweck, die im Chrom-gegerbten Leder enthaltenen freien Säuren möglichst vollständig zu entfernen.

Alaun- und Fettgare (Sämisch-) Leder müssen broschiert werden, d.h. die überschüssige "Nahrung" an Gerbstoffen wird mit verdünnter Milchsäure-oder Ammoniak ausgewaschen.

Egal welchem Gerbprozess die Felle/Häute unterzogen wurden, sie kommen alle im feuchten, gewlktem Zustand in die Färberei.
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  #4  
Alt 05.05.2011, 16:19
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Standard AW: Anilin - eine giftige Färbemethode

interessantes thema
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  #5  
Alt 22.09.2012, 09:59
Tom Tom ist offline
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Standard AW: Anilin - eine giftige Färbemethode

Die Antwort auf das Anilinverwendung
Zitat:
Zitat von http://www.raumausstatter-meisterschule.de/internerbereich/533830971b0796a01.html
Das aus Teer gewonnene Anilin wird nicht mehr für Lederfarben verwendet und ist in der DIN-Norm 68 871 gestrichen. Technisch wird Anilin heute vorwiegend durch Hydrierung von Nitrobenzol bei 270-475 Grad C an nickel- oder kupferhaltigen Katalysatoren hergestellt. Heute werden alle löslichen Farbstoffe ohne Beachtung ihrer chemischen Struktur als «Anilinfarbstoffe» bezeichnet; zur Abgrenzung gegen die Holzfarbstoffe und die farbigen Pigmente. Bei mit löslichen Farbstoffen gefärbtem Leder spricht man jetzt von »Nappaleder naturbelassen«.
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