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  #1  
Alt 19.06.2010, 17:18
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Standard Prime stitching/ Gemband welting/ Plirip-construction

Da die Rahmenbefestigung bei einem echten Good Year welted Schuh eine verhältnismäßig teure Maschineneinrichtung erfordert und gute geschulte Arbeitskräfte zur Veraussetzung hat, was sich natürlich im Preis niederschlägt, ist man zu einer Machart übergegeangen, die äußerlich dem echten GY welted Schuh gleicht, aber wesentlich einfacher und billiger in der Herstellung ist.

.Das " Prime" Brandsohlenverfahren hat sich zuerst in Amerika etabliert, so wurden bereits im Jahre 1952 ca. 25 Millionen Paar Schuhe nach diesem Verfahren hergestellt.

Beim Prime-Brandsohlenverfahren werden dünne, biegsame Brandsohlen aus Leder, Kunststoff und sogar aus festem Gewebe verwendet. Das Gemband besteht aus sehr festem Textilband mit einem Kern aus gummiertem Fiber, welcher den Einstechdamm bildet.
Das Aufkleben des Gembandes mit Neopren erfolgt mittels einer Spezialmaschine, die täglich ca.1200 Paar leistet.

Hierzu wird der Einstechdamm nicht durch seitliches Einschneiden der Brandsohle und anschließendes Hochklappen zur Rißlippe hergestellt, sondern es wird ein textiles Band mit einem Lederkern oder einem Kunststoffkern entweder auf die Brandsohle aufgesteppt oder aufgeklebt.

Für das Aufsteppen des Gembandes wird eine Mehrnadel-Kettenstichnähmaschine verwendet, die mit einer Spezialvorrichtung ausgestattet ist, nämlich mit einem Materialtransporteur, welcher das Gemband und den Lederstreifen beim Einsetzen der Brandsohle jeweils wieder vor die Nadel führt und einer automatischen Abschneidvorrichtung, die nach dem beendetem Nähen das Abschneiden des Gembandes und des Lederstreifens ermöglicht.
Die Herstellung der Rahmenbrandsohlen ist sehr einfach. Ein schmaler Lederstreifen oder dergleichen, in Verbindung mit einem Gemstreifen werden automatisch in der Maschine beim Aufsteppen der Brandsohlenlippe mitgeführt und mittels 2er Nadeln durch einen Kettstich auf die gestanzte Brandsohle aufgenäht.
Leider sind die Steppstiche des aufgenähten Gembandes auch auf der oberen Seite (zum Fuß hin) der Brandsohle zu sehen und sind deshalb, ähnlich wie beim geblakten / durchgenähten Schuh, höchster Belastung durch Schweiß und Reibung ausgesetzt und werden deshalb meist mit einer Decksohle abgedeckt.



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Hier die Zeichnung eines Schuhs mit einem aufgeklebtem Gemband. Zur Verdeutlichung des einfachen Kettstiches habe ich die ersten Stichschlingen etwas überdimensioniert gezeichnet.
Weitere Erklärungen folgen.


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  #2  
Alt 19.06.2010, 17:20
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Standard AW: Prime stitching/ Gemband welting/ Plirip-construction

Um den wesentlichsten Unterschied zwischen dem echten Good Year-Verfahren und dem Prime-welting Verfahren besser zu verinnerlichen, richten Sie Ihr gesondertes Augenmerk auf die Querschnittzeichnungen:
des echten Handeinstechens
des echten GOOD YEAR-welting Verfahrens
des PRIME-welting Verfahrens.


Diese Zeichnung zeigt das Einstechen mit rangiertem Einstechdamm, d.h. dieser Damm ist aus der Brandsohle herausgearbeitet/herausgeschnitzt.
Das Einstechen von Hand ist die haltbarste und dauerelastischste Verbindung von Schaft, Rahmen und Brandsohle.


Die nachfolgenden Verfahren sind die maschinellen Nachempfindungsversuche des klassischen Einstechens.

Hier das echte Good Year-.Verfahren.
Deutlich ist in der Detailzeichnung zu erkennen, das der Einstechdamm durch ein seitliches Einschneiden der Brandsohle erzeugt wird um dann hochgeklappt als Einstechdamm zu fungieren.





Hingegen wird beim Prime-welting Verfahren der Rangierdamm als sogenanntes " Gemband", "canvas strip" oder als "bande de toile" nur auf die Brandsohle geklebt.
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  #3  
Alt 19.06.2010, 17:25
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Standard 3 verschiedene Brandsohlen

Bei dieser rangierten Brandsohle ist der Rangierdamm aus der Brandsohle herausgearbeitet und dabei etwa 7mm breit und sehr flach, dadurch wird auch die benötigte Korkschicht als Nivellierungsausgleich des Höhenunterschiedes zwischen dem Rahmen sehr flach und der Fuß kann sich nicht so/zu tief in die weiche Korkausballung unterhalb der Brandsohle eindrücken.




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Die für das GOOD YEAR-welting vorbereitete Brandsohle hat statt der Rangierschiene eine wesentlich höhere Rißlippe (single channel lip), welche mittels der Rißlippenaufstellmaschine (channel lip turning maschine) durch seitliches Einschneiden der Brandsohle und anschließendes Hochklappen der einen Hälfte erzeugt wird.
Bei diesem Verfahren sind Brandsohle und Rißlippe aus einem Stück, trotzdem wird die ganze Fläche der Brandsohle und der Rißlippe mit festem Gewebematerial (meist Baumwolle/ Gemtape) überklebt und damit verstärkt.

Dadurch kann eine GOOD-YEAR Brandsohle niemals so flexibel wie eine handrangierte Brandsohle gleicher Stärke sein.

Durch diese ganzflächige textile Verstärkung kann die Brandsohle beim GY-welting Verfahren aus schlechterem Leder hergestellt werden, leider muß auch die benötigte Korkausballung wegen der höheren Rißlppe dicker sein.(Bruch-Bröckelgefahr (Wasserdurchlässigkeit)/ Fehlstellungsverstärkung durch tieferes Einsinkens des Fußes).
(Es gibt noch ein double channel/ two channel lip Brandsohlenherstellungsverfahren für Grobgenähte, die Erklärung dafür folgt.)




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Bei dieser Brandsohle wird die Rißlippe als Gembandstreifen mit einem festerem Kern nur auf die Brandsohle aufgeklebt. Auch wenn der Schuh zwar später "genäht" wird- ist die Verbindung zwischen der Brandsohle und der Rißlippe nur geklebt. Außerdem ist meist hier die Rißlippe noch höher als bei echten GY-Brandsohlen und das Brandsohlenmaterial kann noch minderwertiger sein, dadurch fühlt sich der Schuh sogar anfänglich weicher (komfortabler) an- ist aber nur mit einer dicken Kork/Filz/Schaumstoffschicht aufgefüllt.


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